Die häufigsten und größten Irrtümer bei einer Scheidung oder eines Scheidungsverfahrens

Fakten nicht Mythen

Die häufigsten Irrtümer bei der Scheidung oder im Scheidungsverfahren


Kein Scheidungsverfahren ist gleich. Allerdings ist man zu Beginn meinst überfordert in dieser Ausnahmesituation. Als erstes wird google befragt. Auch Bekannte, Freunde oder auch die Nachbarn werden um Rat gebeten.


Hierbei hat sich gezeigt, dass häufig Irrtümer bestehen, insbesondere was den Ablauf des Scheidungsverfahrens oder die zu regelnden Punkte bei einer Scheidung sind. Das sind Dinge, die ich in meinem Alltag als Scheidungsanwalt nicht nur einmal gefragt worden bin und die auch im Internet falsch "umhergeistern".


Natürlich ist diese Aufzählung nicht abschließend, aber aus meiner Beratung habe ich erfahren, dass manche Irrtümer sich "häufen". Diese "Mythen" sollen an dieser Stelle aufgelöst werden. Haben Sie auch "Aha-Momente"?

Irrtum Nr. 1 „Wenn der Andere nicht zustimmt, wird man nicht geschieden


Falsch. Die Scheidung ist gerade nicht von einer Zustimmung des anderen Ehegatten abhängig.

Selbst wenn derjenige sich gar nicht äußert, kann die Ehe geschieden werden. Auch auf ein Verschulden kommt es gerade nicht an.


Eine Ehe wird vor dem Familiengericht geschieden, wenn sie gescheitert ist, die Eheleute mindestens 1 bzw. 3 Jahre – dann wird vermutet, dass die Ehe unwiderlegbar gescheitert ist – getrennt leben und eine Wiederherstellung nicht zu erwarten ist. Die entsprechenden Paragraphenfinden sich im BGB.


















Irrtum Nr. 2: "Wir wollen uns einvernehmlich scheiden lassen und machen eine Onlinescheidung? Das ist ja auch billiger und schneller!"


Viele Mandanten denken, sie können beide ein Onlineformular ausfüllen und sich dann scheiden lassen, ohne vor Gericht erscheinen zu müssen. Das klingt erstmal plausibel, beide wollen sich ja scheiden lassen, ist aber nicht möglich.


Das Scheidungsverfahren findet immer vor dem zuständigen Familiengericht statt. Auch der sog. Anhörungstermin vor dem Richter/der Richterin muss immer stattfinden, egal ob beide die Scheidung wollen oder nicht.


Insofern gibt es keine Unterschiede zwischen einer "offline" und einer "Onlinescheidung".


Als Reaktion hört man dann meist: "Im Internet findet man aber ganz viele solcher Onlinescheidungen“.

Ja das stimmt, aber der einzige Punkt bzw Unterschied ist, dass die Kommunikation mit dem Anwalt online, also digital stattfindet.


Bei einer Scheidung gibt es jedoch viele Punkte, die zu klären sind.


Ob da nicht ein persönlicher Ansprechpartner die bessere Alternative ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. Und nochmal, weder die Onlinescheidung ist weder günstiger noch schneller.





Irrtum Nr. 3: "Dann nehmen wir wenigstens einen Anwalt zusammen. Wir wollen ja beide die Scheidung und wir können uns dann den Anwalt teilen"


Nein, das ist nicht möglich. Richtig ist, dass nur ein Anwalt und nicht die Ehegatten persönlich einen Scheidungsantrag bei Gericht einreichen können. Dies betrifft auch den Antrag bei einer einvernehmlichen Scheidung. Ohne Anwalt ist eine Scheidung daher nicht möglich.


Allerdings dürfen wir Anwälte in Familiensachen nur die Interessen des eigenen Mandanten vertreten, die ja manchmal nicht deckungsgleich mit der Gegenpartei sein können. 


Heißt, im Scheidungsverfahren kann nur ein Ehegatte von einem Anwalt vertreten werden.


Allerdings kann der Ehegatte ohne Anwalt selbst dem Scheidungsantrag zustimmen, dazu braucht er keinen eigenen Anwalt. Will er jedoch einen Antrag stellen, braucht er einen Anwalt. Dies kann unter Umständen sehr wichtig in Bezug auf den Versorgungsausgleich, Zugewinnausgleich oder das Erbrecht sein. Denn zieht der eine Ehegatte den Scheidungsantrag zurück, ist das Scheidungsverfahren beendet, alle Stichtage fallen weg. Bei einem eigenen Scheidungsantrag bleiben die Stichtage bestehen, selbst wenn der unter Umständen "frühere" Scheidungsantrag zurückgezogen wird. Diese "Taktik" kann sie unter Umständen viel Geld kosten bzw. Ihnen viel Geld ersparen.


Auch hier bleibt die Antwort auf die Frage, ob sie vor Gericht ohne Anwalt erscheinen wollen jedem selbst überlassen. Sofern nichts zu regeln ist oder bereits durch einen Ehevertrag oder eine Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt ist oder ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen da ist, kann das mal gutgehen…..


















Irrtum Nr. 4: "Wenn wir uns scheiden lassen wird alles geregelt, also auch der Unterhalt Zugewinn etc.?"


Auch dies ist so erstmal falsch.


Das Gericht regelt bei einer Scheidung nur die Angelegenheiten, die beantragt sind. Bei der Scheidung allein prüft das Gericht die Scheidungsvoraussetzungen, also das Trennungsjahr, das Scheitern der Ehe usw. Entscheidungen zum Zugewinn, Unterhalt etc. gibt es erstmal nicht.


Als Besonderheit kommt der Versorgungsausgleich dazu, d.h.  Aufteilung der Rentenanwartschaften, meist in der gesetzlichen Rentenversicherung und/oder einer Betriebsrente oder sonstigen Altersvorsorge, sofern diese nicht in den zugewinnausgleich fällt.

Auch hier gibt es einzelne Ausnahmen aber üblicherweise ist der Versorgungsausgleich im sogenannten Zwangsverbund dabei.


Wenn ein Ehegatte jetzt noch was zusätzlich regeln will, muss er einen entsprechenden Antrag -und genau- spätestens jetzt mit einem Anwalt stellen.





Irrtum Nr. 5: "Ist ja auch kein Problem, wir haben alles privatschriftlich festgehalten?"


Das kann schonmal gut sein, aber wirksam ist es dann nicht, wenn das Gesetz besondere Formvorschirften verlangt.


Und gerade im Güterrecht, also Zugewinn etc. ist vor der Scheidung eine notarielle Vereinbarung (sog. Scheidungsfolgenvereinbarung) oder eine Protokollierung bei Gericht mit zwei Anwälten nötig.


Sie merken..aufschreiben hilft oft die Sachen zu organisieren, aber wirksam ist nicht alles. Eine privatschriftliche Vereinbarung ist daher im Zweifel nicht wirksam.





Irrtum Nr. 6: "Gut ist ja auch kein Problem, bei der Scheidung wird ja eh alles 50:50 geteilt. Vermögen und Schulden."


Leider wieder nicht richtig.


Wenn nichts geregelt ist, gilt der sogenannten Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Hierbei bleibt jedem Ehegatte sein eigenes Vermögen, wenn es nicht auf beide angelegt ist. Beispielsweise kann dies bei einer gemeinsamen Immobilie zutreffen, bei der beide im Grundbuch als Eigentümer eingetragen sind.


Daran ändert auch die Scheidung nichts. Eine Aufteilung 50:50 kann faktisch vorliegen, muss es aber nicht automatisch.


Nur derjenige, der in der Ehe mehr Vermögen erwirtschaftet hat, muss die Hälfte der Differenz dem anderen im Wege des Zugewinns ausgleichen.  Besonderheiten gelten hier bei Schenkungen und einem Erbe.





Irrtum Nr. 7: "Beim Zugewinnausgleich habe ich Anspruch auf konkret Dinge/Sachen, wie den anteil an der Immbolilie."


Auch das ist falsch.


Der Zugewinnausgleichsanspruch ist auf eine Geldleistung angelegt.


as heißt,  wenn keine Einigung erzielt wird, kann dies bis zur Zwangsversteigerung der Immobilie führen und der Erlös wird dann entsprechend verteilt.


Ein Anspruch auf konkrete Dinge besteht gerade nicht, sondern nur auf die Bezahlung einer Geldsumme.



















Irrtum Nr. 8: "Bei Eheschließung und spätestens bei der Scheidung gehört mir das Vermögen meines Ehemanns/meiner Ehfrau zur Hälfte. Allerdings "bekomme" ich auch die Hälfte der Schulden."


Dies trifft ebenfalls nicht zu, sofern man nicht in einer Gütergmeinschaft lebt, was durch Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt sein muss.


Auch bei Eingehung der Ehe tritt man nicht automatisch in die Rechte und Pflichten des Anderen ein.


Schulden eines Ehegatten bleiben –wenn es nicht beispielsweise ein gemeinsamer Kreditvertrag ist- die Schulden des Ehegatten und werden keine gemeinsamen Schulden. Gleiches gilt beim Vermögen. Nicht alles wird mit Heirat automatisch gemeinsames Vermögen.





Irrtum Nr. 9: "Egal was nach der Scheidung passiert. Man kann es eh nicht mehr ändern!"


Das stimmt größtenteil, aber nicht immer. Wir empfehlen daher stets, beim Anwalt nachzufragen, ob sich doch "noch was machen lässt".


So kann beispielsweise die Situation, gerade auch wenn die Ehegatten älter waren, die Situation eintreten, dass ein geschiedener Ehegatte kurze Zeit nach der Ehescheidung stirbt. Hier kann dann unter Umständen die Möglichkeit bestehen, dass die eigene Rente gerade nicht durch den Versorgungsausgleich gekürzt wird, die übertragenen Anrechte zurückübertragen werden.


Auch die Grundlage von Unterhaltsansprüchen kann sich nach der rechtskräftigen Scheidung ändern, was bis zum kompletten Wegfall des Unterhalts (beispielsweise bei Wiederheirat) führen kann. 



Ich hoffe Sie hatten einige Aha-Momente und ich konnte die Irrtümer auflösen.


Diese Liste wird regelmäßig erweitert, also schauen Sie gerne ab und zu vorbei, um auf dem Laufenden zu bleiben.

 

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